TV-Tipps: Der nackte Mann auf dem Sportplatz

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Jens Wiesner

Unsere TV-Tipps vom 21. bis 25. Oktober von Jens Wiesner

Ich kann‘s nicht mehr hören, dieses elitäre „Ich habe ja keinen Fernseher mehr“-Getue. Bullshit! Im TV laufen richtig geile Sachen. Man muss nur tief graben. Here you go:

Mittwoch, 21.10.: Der nackte Mann auf dem Sportplatz um 23:55 Uhr, RBB 

Konrad Wolf war überzeugter Kommunist, doch seine Werke kamen alles andere als stramm linientreu daher. Der DDR-Regisseur thematisierte Republikflucht, die Schrecken des Krieges und die Stellung von Künstlern in der Gesellschaft: In „Der nackte Mann auf dem Sportplatz“ (1974) soll Dorfkünstler Kemmel eine Skulptur für den örtlichen Fußballverein entwerfen. Doch als die Statue enthüllt wird, hängen die Kinnladen der Fußballer tief: Statt ein realitätsgetreues Abbild ihrer Torwartlegende vorzufinden, prangt ihnen das Gemächt eines splitterfasernackten, unbekannten Mannes entgegen.

Donnerstag, 22.10.: B-Movie – Das wilde Berlin der 80er Jahre um 02:05 Uhr (nachts), Arte

Mark Reeder erzählt von der guten, alten Zeit, als Kreuzberg noch wild und Westberlin ein gallisches Dorf im roten Feindesland war. Ende der 1970er zog es den Briten in die Mauerstadt, damals fest in der Hand der New-Wave- und Punk-Szene. 

Vorsicht! Nach dieser Doku wünschst du dir die Mauer wieder zurück – nur, um wieder so hemmungslos und selbstzerstörerisch saufen und feiern zu können wie damals.

Freitag, 23.10.: Abraham Lincoln Vampirjäger um 20:15 Uhr, Pro7

Stell dir einmal vor, Helmut Kohl hätte einen anderen supergeheimen Grund gehabt, die Wiedervereinigung mit der DDR voranzutreiben. Stell dir vor, Honecker, Mielke und Co. wären in Wahrheit Vampire gewesen. Und Kohl, axtschwingend, die letzte Verteidigungslinie zwischen uns und der ewigen Verdammnis. 

So ungefähr müssen sich die Amis gefühlt haben, als dieser Action-Trash in die Kinos kam und die – ähem – „Wahrheit“ über ihren Nationalhelden ausplauderte: Lincoln gewann nicht nur einen Bürgerkrieg und setzte so die Befreiung der Sklaven durch, sondern war auch ein ausgezeichneter Vampirkiller. Klingt absurd? Dann schau dir erst „Abraham Lincoln vs. Zombies“ an.

Samstag, 24.10.: Asterix, der Gallier um 20:15 Uhr, Super RTL

Eine ganz haarige Angelegenheit. Ich weiß nicht, wie viele Fantastilliarden Male ich „Asterix, der Gallier“ schon gesehen habe. Dabei ist der Streifen von 1967 wahrlich kein Glanzstück der Reihe. Selbst die Herren Goscinny und Uderzo mochten den Zeichentrick nicht, der völlig ohne ihr Wissen produziert wurde.

Die deutsche Synchro von 1984 (Frank „Hier kommt Kurt“ Zander als Asterix, Günter Pfitzmann als Obelix) macht die Sache mehr als doppelt wett – weil man sich nicht zu schade ist, wirklich jeden noch so schlimmen Haarlau… Kalauer mitzunehmen.

Sonntag, 25.10.: Jerichow um 23:45 Uhr, BR

Manchmal sind es die schlechten Rollen, die hängenbleiben: Wenn ich Benno Fürmann sehe, muss ich immer an PS-Proll Günni aus der RTL-Serie „Und tschüss!“ denken. Und Hilmi Sözer bleibt für mich einfach immer der Türke aus den Tom-Gerhardt-Komödien „Voll normaaal“ und „Ballermann 6“. 

Anfang der 90er wäre aus einem Film mit den beiden wohl eine ziemlich beschränkte Komödie geworden – mit bemüht-flotten Sprüchen, viel PS und ordentlich Matte auf dem Kopf. „Jerichow“ zeigt, wie sehr sich das deutsche Kino seitdem verändert hat: Fürmann überzeugt in seiner Rolle als unehrenhaft entlassener Afghanistan-Soldat, der sich als Chauffeur für aufbrausenden Imbisskettenbesitzer Ali (Sözer) verdingen muss, nicht durch viele Worte, sondern durch ein bedrückend-stilles Minenspiel.

Beweise Kultiviertheit und gib zu, dass du TV guckst!

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Dieser Artikel ist Teil unseres Ressorts Couching, in dem sich alles um Serien, Filme, Games und dein geliebtes Sofa dreht! So wie in diesen Artikeln: