Jessica Jones

Warum Jessica Jones viel stärker ist als Spider-Man

victor-redman
Victor Redman

Endlich gibt es die erste Staffel Jessica Jones auf Netflix zu sehen, nach Daredevil die zweite Marvel-Serie im Programm. Und auch, wenn du in deinem Leben noch keinen Marvel-Film gesehen hast und Superhelden in etwa so spannend findest wie Zimmerpflanzen – Jessica solltest du dir auf keinen Fall entgehen lassen!

PLAY
Bild via Giphy

Dürfen Superhelden weinen?

Ja. Jessica Jones spielt in derselben Welt wie Avengers, Agents of S.H.I.E.L.D. oder Daredevil. Doch da hören die Gemeinsamkeiten schon auf.

Jessica Jones ist keine klassische Superhelden-Serie. Es ist die Geschichte einer jungen Frau, die aus einer gewaltsam erzwungenen Beziehung entkommen ist und nun vor den Trümmern ihres Lebens steht. Leider ist der soziopathische Kilgrave nach wie vor davon überzeugt, dass die beiden zusammen gehören.

Kein typisches Marvel-Abenteuer

Im Marvel-Universum wird gern Spider-Man als der „Alltagsheld“ präsentiert, aber im Vergleich zu Jessica führt er ein Luxusleben. 

Spidey mag vom Pech verfolgt werden, aber als wir Jessica kennen lernen, ist sie fertig mit sich und der Welt, gequält von Flashbacks und unfähig, irgendjemandem zu vertrauen. Auch ihre extrem zitierwürdigen Sprüche, die mit denen von Spider-Man durchaus mithalten können, täuschen darüber nicht hinweg.

Schonungslos authentisch 

Jessicas Nöte und Zweifel sind mehr als schmückendes Beiwerk. Während die Probleme eines Spider-Man sich gern mal durch leidenschaftliche Ansprachen oder einen Moment der Erleuchtung wegwischen lassen, gehen Jessicas Probleme sowohl ihr als auch dem Zuschauer unter die Haut. Die Serie lässt dich ihre innere und äußere Kämpfe hautnah verfolgen und ist dabei schonungslos authentisch. 

Ich würde hier sogar soweit gehen, eine Trigger-Warnung für all diejenigen auszusprechen, die selbst Erfahrung mit Gewalt in Beziehungen machen mussten.

PLAY
Bild via Giphy

Superkräfte? Nebensache!

Natürlich gibt es auch in dieser Marvel-Serie Leute mit Superkräften. Jessica ist zum Beispiel übermenschlich stark. Und ihr Stalker Kilgrave kann Gedanken kontrollieren.

Superkräfte sind hier aber nicht Selbstzweck oder Effekthascherei. Sie unterstreichen die Persönlichkeiten der Charaktere und werden – so sehr es mir widerstrebt, dieses Wort in dem Zusammenhang zu benutzen – realistisch dargestellt. Jessica etwa muss sich ständig zusammenreißen, um nicht im Eifer des Gefechts jemandem den Kopf von den Schultern zu boxen. Im Gegensatz zu Spider-Man, der mit seinen Kräften jede Menge Spaß hat, sind sie für Jessica eher eine Bürde.

Für die Handlung sind die diversen Superkräfte in Jessica Jones ohnehin zweitrangig. Es werden weder Straßenzüge in Schutt und Asche gelegt, noch gilt es, irgendeinen Oberschurken an der Ergreifung der Weltherrschaft zu hindern. Und Jessica würde sich in keinen hautengen Latex-Fummel quetschen.

PLAY
Bild via Giphy

Macht und Verantwortung

Die Serie lässt dich über 13 stringent erzählte Folgen an Jessicas Aufbegehren gegen ihren Peiniger teilhaben. Dabei geht es um grundsätzliche Fragen von Macht und (Eigen-) Verantwortung. Es geht darum, wer Gewalt ausübt und wer darunter leidet. Und es geht um die Frage, was Menschen bereit sind zu tun, um das zu bekommen, was sie wollen. 

So sehr ich Spider-Man liebe – da kann er einfach einpacken. Jessica Jones ist keine leichte Serien-Kost, aber dafür umso sehenswerter. (Und falls es dir nicht gefällt: Kilgrave made me do it.)


PLAY
Bild via Giphy

Sag' deinen Freunden, dass Jessica Jones keine x-beliebige Superheldin ist!

Teilen Teilen
Titelbild via Myles Aronowitz/Netflix

Dieser Artikel ist Teil unseres Ressorts Couching, in dem sich alles um Serien, Filme, Games und dein geliebtes Sofa dreht! So wie in diesen Artikeln: